15. Dezember 2009
Rubrik: Lions News, Coaches News, Interview

Interview mit Head Coach Matthias Engisch

Von: Stefan Gribbe

Matthias Engisch
Es ist beinahe Bergfest in der OffSeason und in der Politik stünde wohl eine 100 Tage-Bilanz an - aus diesem Grunde hat sich Matthias Engisch, Head Coach der Braunschweig Lions, den Fragen des Fanbeauftragten Stefan Gribbe gestellt, um erste Eindrücke und Zwischenergebnisse seiner und der Arbeit der übrigen Coaches an die Fangemeinde weiter zu geben.

(Anmerkung der Redaktion: Selbstredend wurde das Interview auf Schwäbisch geführt!)
 
Gribbe: Hallo Matze, vielen Dank für deine Zeit – wie geht’s dir?
 
Engisch: Danke der Nachfrage, es geht mir gut. Von den Folgen meines Unfalls im letzten Jahr habe ich mich mittlerweile vollständig erholt, so dass mich diese nicht mehr im Alltag beeinträchtigen. Allerdings ist mein Alltag heute doch ziemlich footballlastig, wir arbeiten mit Hochdruck am Team der Zukunft und das schlaucht hin und wieder doch ganz schön – ich freue mich auf Weihnachten wie schon lange nicht mehr! Füße hochlegen und ausspannen (lacht).
 
Gribbe: Du hast es gerade bereits angesprochen, ihr arbeitet derzeit am neuen Team der Braunschweig Lions. Wie müssen wir Fans uns diese Arbeit in der OffSeason vorstellen?
 
Engisch: Naja, im Prinzip tummeln wir uns auf drei Großbaustellen. Erstens muss die Mannschaft auf dem Papier zusammen gestellt werden, zweitens muss das Handwerkszeug, mit dem die Mannschaft und wir Trainer später arbeiten müssen – sprich Spielsysteme und Playbook – erstellt werden und zum Dritten müssen die Jungs, die bereits für 2010 eingecheckt haben, jetzt schon auf Zack gebracht werden – hier in Braunschweig wird in Zukunft kein Winterschlaf mehr gehalten, wir werden topfit und vorbereitet in die Saison starten!
 
Gribbe: Lässt der Hinweis auf den ausfallenden Winterschlaf erahnen, dass es bereits jetzt hart zur Sache geht?
 
Engisch: Richtig. Die Jungs, die sich heute schon dafür entschieden haben, für die Braunschweig Lions aufzulaufen, müssen sich bereits seit November einmal wöchentlich von Eric Yuma im Hallentraining quälen lassen – und das, das kann ich dir versichern, ist beileibe kein Zuckerschlecken, Erics zweiter Name ist Major Pain. Dennoch haben wir eine Trainingsbeteiligung, die so hoch noch niemals zuvor im Winter gewesen ist. Daneben gibt es bereits erste Theoriesitzungen für die Jungs zu absolvieren. Insgesamt sind also Köpfe und Körper bereits auf die neue Saison ausgerichtet. Und: Die Stimmung unter den Jungs ist dabei ganz ausgezeichnet. Die wissen, was die Stunde geschlagen hat und fordern die Qualen geradezu ein.
 
Gribbe: Kommen dabei auch schon die Vorzüge des erweiterten Trainerstabes zur Geltung?
 
Engisch: Ohne Frage ja. Wir sind immer mindestens zu viert im Hallentraining dabei, meistens sogar mehr Coaches. So lassen sich Fortschritte besser beobachten und niemand hat die Gelegenheit, sich hinter einer Weichbodenmatte zu verstecken – wir sehen alles (lacht). Nein, im Ernst: Die Coaches Yuma, Völkel, Kypke, Mauer und Umana sowie ich selbst sind meistens anwesend, nicht nur um ihre Mannschaftsteile optimal zu betreuen, sondern auch um neue Spieler, die zum Hallentraining erscheinen, angemessen zu begrüßen und zu begutachten. Das ist sehr hilfreich.
 
Gribbe: A propos neue Spieler. Wie geht ihr beim Recruiting der Spieler vor, welche Maßstäbe habt ihr und wie soll die Mannschaft des nächsten Jahres aussehen?
 
Engisch: Also das Recruiting machen vorrangig Bastian Kypke und ich. Die anderen Coaches sind aber stets auf dem Laufenden und werden natürlich regelmäßig befragt, wenn es um Spieler ihrer Mannschaftsteile geht. Zunächst gilt es beim Thema Recruiting, die Basis für eine gute Mannschaft zu legen und das ist nun mal bei den derzeit geltenden Beschränkungen der Bundesspielordnung der Teil der deutschen Spieler. Wir sind also darum bemüht, einen Grundstock sowie Tiefe guter und sehr guter deutscher Spieler für die Mannschaft der Zukunft zusammen zu stellen, denn diese werden die Basis für Sieg oder Niederlage sein. Diese Spieler werden wir uns selbst ausbilden und daneben natürlich auch weiterhin aus anderen Teams der GFL oder GFL2 rekrutieren. Wir haben das große Glück, dass aus dem letztjährigen Team beinahe alle jungen und zum Teil hochtalentierten Spieler beisammen bleiben und wir nun „nur noch“ die Rohdiamanten zurechtschleifen müssen. Daneben wird es ein paar Rückkehrer unter den deutschen Spielern geben, die mit ihrer Erfahrung dazu beitragen werden, enge Spiele zu gewinnen.
 
Gribbe: Gibt es bei den deutschen Spielern die Ausrichtung, diese dauerhaft an Braunschweig zu binden oder setzt ihr eher auf Legionäre?
 
Engisch: Ersteres, das ist unsere oberste Priorität! Wir arbeiten hier nicht mit so viel Sorgfalt und Akribie, um dann nach Ende einer Saison und mit vielleicht einem Titel wieder von vorn zu beginnen. Wir wollen den Football wieder in solche qualitative Dimensionen bringen, wie wir Trainer selbst es zu unserer aktiven Zeit gewohnt waren. Das geht nur mit Kontinuität und Verlässlichkeit. Deswegen sortieren wir Trittbrettfahrer unter den Bewerbern sofort aus und versuchen dagegen alles, um die ernsthaft Entschlossenen in Braunschweig heimisch werden zu lassen. Dazu gehören Job oder Ausbildung und Unterkunft. Dass das in diesen Zeiten nicht immer ganz einfach ist, wird man sicherlich nachvollziehen können, jedoch sind wir dank der Partner und Freunde der Braunschweig Lions auf einem guten Weg. Und wenn vielleicht die Fans bei der Jobsuche für unsere Jungs auch noch behilflich wären, dann sollte das Konzept sicher aufgehen. Denn schließlich haben wir hier im braunschweiger Football immer noch das größte Netzwerk der ganzen Liga, und das nutzen wir jetzt mehr denn je.
 
Gribbe: Wenn du schon die gewünschte Qualitätssteigerung ansprichst, dann muss ich die Frage nach Importspielern stellen. Wie sieht es denn da mit euren Plänen aus?
 
Engisch: Importspieler sind unverzichtbar. Die bringen all das, was wir hier mit deutschem Nachwuchs und eigener Jugend langfristig aufbauen wollen, bereits mit, da sie es quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben, zumindest wenn sie aus Amerika kommen. Deshalb, und auch weil sie natürlich das Salz in der Suppe und den gewissen Unterschied ausmachen, wird es immer solche Spieler in Braunschweig geben. Im vergangenen Jahr ist dies sicherlich etwas zu kurz gekommen, jedoch gab es da ja auch seine Gründe für, soweit mir bekannt ist. In der Mannschaft 2010 sind Importspieler fest vorgesehen und zwar derzeit zwei je Offense und Defense. Wir sind bereits seit einigen Wochen mit unseren Fühlern in Richtung USA unterwegs, um Spieler zu finden, die in unser gewünschtes Spielsystem passen und die Spaß haben werden, in Braunschweig zu spielen. Die Spots im Team sind verplant und sollen entsprechend besetzt werden.
 
Gribbe: Du verstehst sicherlich, dass die Fans und ich uns nur schwerlich mit solchen Andeutungen zufrieden geben können, gibt es denn schon etwas Konkretes auf Schlüsselpositionen zu berichten?
 
Engisch: (lacht) Die Neugier kann ich gut verstehen und sobald wir wirklich alle beisammen haben und die Saison vor der Tür steht, werden wir den Schleier auch sicher noch rechtzeitig für die Vorfreude lüften. Derzeit ist das jedoch noch etwas zu früh, da in den USA die Collegesaison ja auch noch läuft und wir da erst abwarten wollen, was die Senior-Jahrgänge so ausspucken. Ich kann dich aber insoweit beruhigen, dass nicht einmal Management und Vorstand der Braunschweig Lions mehr wissen, als ich dir gerade verraten will. Eines kann ich jedoch vielleicht doch schon verraten: Wir warten derzeit auf die Rücksendung des Spielerpasses eines neuen Wide Receivers aus den USA – ein athletischer Junge, der aufgrund seiner Größe eine super Anspielstation für Dennis Zimmermann werden sollte. Daneben sehe ich mir beinahe täglich Videos von weiteren Spielern an, etwa für die Positionen RB, LB und FS. Damit sollte die Vorfreude doch bestimmt ein wenig steigen, oder?
 
Gribbe: Du sprichst gerade Dennis Zimmermann an, wie sind da eure Pläne, also gerade auf der Position des QB?
 
Engisch: Wir sind uns im Trainerstab und im Management einig: Dennis hat bisher seine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft und noch sehr sehr viel Entwicklungspotential nach oben. Darauf bauen wir – vorerst. Wir halten uns alle Alternativen offen, jedoch setzen wir derzeit eindeutig auf ihn als QB! Dennis ist frisch am Wurfarm operiert und hat als Allererster des Teams seinen Spielerpass für das kommende Jahr unterschrieben; er wollte damit ein Zeichen setzen. Wir vertrauen in seinen Willen, sich zu entwickeln und stellen ihm deshalb ja auch mit Harald Völkel einen QB-Trainer zur Seite. Damit bekommt er dann Competition, der er gerecht werden muss. Zugleich denken wir an die Generation nach Dennis und werden mindestens zwei weitere Nachwuchs-Quarterbacks im Team 2010 haben. Und wie gesagt halten wir uns alle Alternativen offen. Unser Zeitplan der Vorbereitung sieht bis rechtzeitig vor dem Trainingslager vor, dass sich Dennis entwickeln kann, aber auch muss. Rechtzeitig vor Saisonbeginn wird es einen Kassensturz geben, so dass wir notfalls auch noch handeln können. Derzeit gehen wir aber nicht davon aus, dass dies nötig werden wird.
 
Gribbe: Gut, dann will ich dich erstmal nicht weiter mit solchen Fragen quälen. Wir Fans lassen aber nicht locker und laden dich und auch einige andere Trainer hiermit gerne zum nächsten Fan-Stammtisch im neuen Jahr ein, kommst du?
 
Engisch: Ich werde da sein – mal sehen, ob ich dann schon etwas mehr zum Team verraten kann. Vorerst füllt sich aber auch das Roster auf der Lions-Webseite weiter. Klar, dass wir uns die vermeintlichen Bonbons bis zum Schluss aufheben (lacht).
 
Gribbe: Möchtest du zum Abschluss dieses kurzen Interviews vielleicht noch umgekehrt irgendetwas in Richtung der Fans der Braunschweig Lions loswerden?
 
Engisch: Ja gerne. Es wird in der kommenden Saison unschätzbar wichtig sein, dass alle bisherigen Fans und noch mehr der Mannschaft die Treue halten. Natürlich sind auch wir Trainer wie niemand sonst glücklich über die notwendige Entscheidung bzgl. der Osttribüne. Aber zugleich bin ich auch gespannt, wie sich die rote Wand im Rücken unserer Teamzone in 2010 anfühlen wird und ich bin davon überzeugt, dass jeder Gegner dies auch spüren wird. Ich möchte damit zu allererst sagen, dass wir die Fans der Braunschweig Lions natürlich weiterhin brauchen und zwar jeden einzelnen. Das gilt nicht nur für den Spieltag selbst oder die Auswärtsfahrten, sondern gerade auch jetzt, wo es für die Zusammenstellung des Teams um Planungssicherheit geht. Ich hoffe, dass möglichst viele Fans ihre Treue zu den Braunschweig Lions und ihre Zustimmung zu dem neuen Weg des Aufbruchs in 2010 dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie jetzt weiterhin zum Team stehen. Die Braunschweig Lions sind mit allem was dazu gehört – Fans, Spieler, Trainer, Management, Ehrenamtliche, Helfer, etc. – ein einzigartiger Organismus, der in allen Bereichen voneinander abhängig ist. Dreht sich ein Rad langsamer oder fällt aus, werden die anderen in Mitleidenschaft gezogen. Dazu sollten wir es nicht kommen lassen und wir Trainer tragen unseren Teil dazu bereits heute bei. Danke an alle Fans, die die Herausforderung auch in der Zukunft wieder mit uns angehen!
 
Gribbe: Matze, vielen Dank für deine Zeit, Grüße an Trainer und Mannschaft im Namen der Fans und frohe Weihnachten! Wir sehen dich beim Fan-Stammtisch im nächsten Jahr!


 
TOP-NEWS
SPIELBERICHT
06. September 2010
Spiel verloren, aber Play-Offs erreicht

Trotz einer 7:20 (0:7, 7:0, 0:7, 0:6) Heimniederlage vor 4.000 Fans gegen den neuen Meister der GFL Nord, den Kiel Baltic Hurricanes, hat das Team der Braunschweig Lions die GFL Play-Offs in der Saison 2010 erreicht. Möglich machten dieses die Dresden Monarchs, die in ihrem letzten regulären Saisonspiel die Assindia Cardinals mit 24:17 besiegen konnten. [mehr]
WEITERE INFORMATIONSQUELLEN